Preußen anno 1915

Für meinen neuen Beitrag begebe ich mich wieder einmal in die Vergangenheit. Eventuell hat der Eine oder die Andere bereits erkannt, dass es sich bei dem Schriftmuster um die Sütterlinschrift handelt. Eine spezielle Form der Kurrentschrift für Schreibanfänger.

Wahrscheinlich weniger durch Zufall, eher wissend, dass es mich interessieren wird, ist mir vor einiger Zeit als Mitbringsel die unten abgebildete Schreibfibel in die Hände gespielt worden. Danke :)

Sowohl zu meinem Romanmanuskript Geheimsache! WortMUT als auch zu meiner Leidenschaft für besondere Sprachen und Schriften passt es hervorragend, sich ein wenig mit der alten deutschen Schrift zu beschäftigen.

 

Schreibfibel deutsche Schrift

Laut  Wikipedia wurde die Sütterlinschrift 1915 in Preußen eingeführt.

Friedrich Soennecken, geboren im Übrigen 1848 in Dröschede, heute Iserlohn, entwickelte zum einfacheren Schreiben dieser Schrift eine Variante der in England gebräuchlichen Spitzfeder. Die Kugelspitzfeder. Er ließ sie auch zu Beginn noch in England fertigen, bis er dann mit der Produktion nach Bonn-Poppelsdorf ging.

Mit Hilfe dieser Feder war es dem Schreiber möglich, mit immer gleichem Druck – und auch ohne einheitliche Handhaltung – ein ebenmäßiges Schriftbild zu erreichen. 

Zudem veränderte Ludwig Sütterlin im Auftrag des preußischen Kultusministeriums 1911 die englische Schreibschrift insofern, dass er die einzelnen Buchstaben gerader stellte und die großen Unter- und Oberlängen einkürzte. Die in Deutschland (neben der lateinischen Schrift) bis dahin übliche Kurrentschrift wurde in den Folgejahren durch die Sütterlinschrift abgelöst.

1941 wurden die gebrochenen Schriften (Frakturschriften), so auch Sütterlin, verboten und nicht weiter gelehrt.

Sütterlin-Alphabet
Beispielseite Fibel

 

Tatsächlich fühle ich mich bei den neuen Schreibübungen in vergangene Zeiten – die ich natürlich niemals kennengelernt habe – (zurück)versetzt. Sich mit der Schrift, der Kleidung und den Ernährungsgewohnheiten etc. aus einer bestimmten Zeit zu beschäftigen, ist eine gute Möglichkeit, in eine fremde Epoche einzutauchen.

Ich brauche noch einige Zeit, bis ich das fremde Alphabet halbwegs beherrsche, aber dann werde ich sicherlich in heimischen Bücherschränken stöbern, ob ich alte Postkarten, Briefe oder gar Bücher finde, an denen ich mich ausprobieren kann. Nicht zu vergessen, dass sich jede Handschrift auch  in der akkuraten Sütterlinschrift niederschlägt und das Leseerlebnis erschweren wird.

Zum Schluss noch ein Tipp (ebenfalls aus Wikipedia):                 In Deutschland gibt es verschiedene Initiativen und Vereine, die beim Entziffern von Texten in Sütterlin- und anderen alten Schriften helfen. Beispiele sind die „Sütterlin-Schreibstube“ in Konstanz[1] und die Sütterlinstube Hamburg.[2

Wer von meinen Blog-Besuchern ist in der Lage, die alte deutsche Sütterlin-Schrift  zu lesen  oder könnte Postkarten oder ähnliches – gerne auch nur als Foto – beisteuern?

Ich freue mich wie immer über Beiträge und Kommentare.

abc in Sütterlin

2 Antworten auf „Preußen anno 1915“

  1. In unserem Archiv wird noch Einiges zu finden sein, wenn man nur tief genug gräbt. Handgeschriebenes ist natürlich etwas schwieriger zu identifizieren als gedrucktes. Schauen wir mal, was das Haus bisher gut verwaltet hat. Ich bin selbst gespannt.

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