Mika verrät Lotte ein Geheimnis

Allee auf einem Friedhof

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

Heute stelle ich Ihnen in einer weiteren Kurzgeschichte noch einmal Mika und auch seine Mutter vor. Sie besuchen das Grab von Clemens verstorbener Frau Lotte.

 

Mika tritt von einem Fuß auf den anderen. „Kannst du weggehen, Mama?“

Sie schaut ihn verwundert an. „Aber du wolltest doch, dass wir zusammen zum Friedhof fahren, oder nicht?“

„Ja, aber …“

„Also gut. Aber ich bleibe in der Nähe.“

Er wartet, bis sie beinahe aus seinem Sichtfeld verschwunden ist, geht dann in die Hocke und streicht mit der flachen Hand über die Begrenzung des Grabes. Plötzlich hat er eine Idee. Er hüpft auf und läuft zur angrenzenden Wiese. Vorsichtig zupft er einige Gänseblümchen ab und verschließt den Schatz in seiner Rechten.

Mika legt die Blumen auf den Kies und sammelt im Kopf die richtigen Worte. Unsicher trippelt er auf der Stelle. „Die Blumen sind für dich, Lotte. Ich finde sie schön.“ Er kraust seine kleine Nase, entdeckt dann den großen Grabstein und beginnt zu buchstabieren. Da steht Lieselotte. Und daneben? C L E M E… Das stimmt doch gar nicht! Warum steht da sein Freund drauf? Nein! Er muss unbedingt gleich Mama fragen.

Aber Lotte muss er auch noch etwas erzählen. “Ich habe noch eine Oma, aber mein Opa ist auch tot. Wie du.“ Er wartet einen Moment ab. „Lotte? Du hast dem Clemens Karamellbonbons geschenkt ganz am Anfang, hat er mir gesagt. Ich esse lieber Lakritzschnecken.“

Von der Seite nähert sich seine Mutter. „Alles in Ordnung, Mika?“

„Hmm.“

„Soll ich nochmal gehen?“

„Hmm.“ Er schaut ihr hinterher und blickt dann wieder auf Lottes Ruheplatz. „Ich wollte dir auch nur noch sagen, dass der Clemens toll ist und wie mein Opa. Nur anders. Und …“ Er legt die Hände wie einen Trichter um die Lippen und senkt die Stimme, bevor er das große Geheimnis lüftet,  „er hat dich immer noch lieb!“

Mit sich zufrieden blickt er auf das Grab der Fremden. Durfte er das erzählen? Es ist nichts Schlimmes. Aber Lotte kennt ihn doch gar nicht! Oder?

„Ich bin Mika, aber das weißt du bestimmt!“, ruft er ihr zu, winkt einen Abschiedsgruß in die Luft und fliegt seiner Mutter in die Arme, die gerade wieder um die Ecke biegt.

 

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