Neues lernen im Selbstversuch

Brailletafel in Bronze

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Nicht nur Clemens und Margarethes Schulzeit ist lange vorbei.

Mit und in dieser Beitragsreihe möchte ich ein Gefühl dafür bekommen, wie es meinen beiden Protagonisten im (geplanten) Buch dabei geht, etwas für sie bisher Unbekanntes zu erlernen.

Da ich weder Clemens noch Margarethes Manko  – eigentlich ein unglückliches Wort – teile, habe ich mich für etwas anderes entschieden.

Wie fühlt es sich für mich heute an, wenn ich etwas völlig Neues lernen will? Etwas, von dem nicht mal Grundkenntnisse vorhanden sind. Wie mühsam ist es?

Ich möchte die Blindenschrift lernen und ich habe noch keine Ahnung, was auf mich zukommt. Ob das “ohne Klassenzimmer” geht und ohne, dass ich mir die entsprechende Prägemaschine zulege, weiß ich noch nicht. 

Und nach einem Blick auf dieses Wirrwarr an Punkten, die Buchstaben und Zahlen darstellen sollen, bin ich mir auch noch nicht sicher, ob mein Projekt von Erfolg gekrönt sein wird. Aber ich möchte meine Protagonisten bei ihren jeweiligen Mut-Vorhaben ‚unterstützen‘, um besser nachvollziehen zu können, wie es ist, von ganz vorne anzufangen. Egal bei welchem Vorhaben.

Laut Wikipedia wurde die Blindenschrift 1825 von Louis Braille entwickelt. Die Schrift besteht aus Punktmustern, die, meist von hinten in das Papier gepresst, mit den Fingerspitzen als Erhöhungen zu ertasten sind.

Im ersten Schritt schaue ich mir das Alphabet an. Sechs Punkte, drei in der Höhe mal zwei Punkte in der Breite, bilden das Raster für die Punkte-Kombinationen, mit denen die Zeichen (Buchstaben, Ziffern, Leerzeichen, …) dargestellt werden. Bei sechs (binären) Punkten ergeben sich 26 = 64 Variationen; es sind also 64 verschiedene Zeichen darstellbar.

In der Brailleschrift gibt es keine Unterschiede in der Groß- und Kleinschreibung. Ich atme auf. Es wird auch so schwierig genug werden. Zur Erklärung wird hinzugefügt, dass die Großschreibung eines Buchstabens durch die Voranstellung eines speziellen Zeichens deutlich gemacht wird.

Das kann mühsam, aber auch spannend werden. Ich erinnere mich an die Zeiten, in denen ich (nach der Schulzeit) über Jahre Griechisch gelernt und – es ist noch gar nicht lange her – zumindest in zwei VHS-Kursen in die arabische Sprache geschnuppert und einen Einblick in die Schriftzeichen und die besondere Schreibweise von rechts nach links erhalten habe. Beides absolute Herausforderungen. 

Jetzt soll ich lernen, mit den Fingern zu lesen. Ist da genug Sensibilität in meinen Fingerkuppen, um diese winzigen Erhöhungen zu ertasten? Die Buchstaben zu erkennen, diese zu Wörtern zusammenzuziehen und dann daraus Sätze zu bilden?

Bei der Recherche stoße ich auf den Blog www.oliveira-online.net. Der Betreiber des Blogs, Domingos de Oliveira, arbeitet als Trainer für Inklusion und Barrierefreiheit. Er ist von Geburt an blind.

Ich freue mich auf dieses Projekt, aber ich ahne jetzt schon, dass das Ziel nicht einfach zu erreichen sein wird.

Erfolge und Rückschläge werde ich natürlich hier teilen ;)

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