Ins Wasser gefallen … Teil III

Altes Fotoalbum mit schwarzweißen Familienfotos

Bild von congerdesign auf Pixabay

… und wiegt abwägend seinen Kopf.

„Magst du ein Ei dazu? Ich habe heute Früh mehrere gekocht.“

„Au ja, halb aufgeschnitten mit etwas Orangenem drauf, bitte.“

Sein erwachsener Freund guckt fragend. „Meinst du Lachsersatz? Den habe ich nicht. Ich dachte schon, du bist jetzt von Adel und wolltest Kaviar!“

„Iih, das sind doch Fischeier.“

„Richtig. Aber Hühnereier isst du!“

Sein Gast zuckt mit den Schultern.

„Dann guten Appetit.“ Clemens stellt ihm den Teller vor die Nase und geht in sein Schlafzimmer. Mit einer Handvoll Fotos kommt er zurück und legt sie auf den Tisch.

„Ist das Lotte auf den Fotos?“

„Ja, die sind aus der Zeit, als ich Lieselotte kennengelernt habe.“

„Und was hat das mit diesem komischen grünen Geld zu tun?“

„Das ist nicht komisch, das sind Pfennige und die größeren heißen Deutsche Mark. Die gibt es seit 1948. Also auch in der Zeit, als Lotte und ich ein Paar waren.“

„Jetzt haben wir den Euro.“ Mika weiß Bescheid.

„Und seit wann gibt es den?“ Clemens stellt ihn auf die Probe.

Der Junge schaut nachdenklich in die linke obere Ecke der guten Stube und schüttelt dann den Kopf.

„Lernt ihr das denn gar nicht? Na ja, vielleicht kommt das noch. Seit 2002. Wie alt warst du da?“

„Du willst mich veräppeln. Ich war da noch gar nicht geboren!“

„Stimmt.“ Er wirft ihm einen verschmitzten Blick zu.

Mika zappelt mit den Beinen. „Kommt jetzt endlich die Geschichte?“

„Ruhig Blut. Es geht los … Da gab es ein kleines Geschäft hier in der Stadt. Einen Laden, der ganz viele Dinge verkauft hat. Zeitschriften und Süßes zum Beispiel. Aber für die kleinen und größeren Kinder waren Süßigkeiten am interessantesten. Heute bekommt man für fünf Cent vermutlich kein Kaugummi mehr oder ein Bonbon, oder?“

Sein Gegenüber zuckt erneut mit den Schultern. Clemens erzählt ihm, dass fünf Pfennige zu seiner Zeit ganz viel wert waren. Zu der Zeit, als Lotte und er sich kennengelernt haben. Dann räuspert er sich und fügt die Geschichte vom ersten Treffen an.

„Kein Wort brachte ich hervor. Ich habe Lieselotte nur angeschaut und bei der Hand gehalten. Beim nächsten Mal hat sie mir über die Wange gestrichen und gefragt, ob ich Hartpuckern habe.“

„Och Clemens, was ist das denn schon wieder.“ Mika hält sich die Hände vor die Augen.

„Herzklopfen! Lotte hat plattdütsch gesprochen, das weißt du doch. Und ich hatte Herzklopfen. Sie hatte mich schon mit ihrem Iserlohner Dialekt um den kleinen Finger gewickelt. Ich wusste es beim ersten Mal. Lotte oder keine.“

„Das ist voll peinlich!“

„Das ist nicht peinlich … Warst du noch nicht verliebt? Ein kleines bisschen? Du wirst schon sehen, was für ein schönes Gefühl das ist, wenn es im Bauch kribbelt und du vor Freude ganz aufgeregt bist. So war es auf jeden Fall bei mir. Tag und Nacht.“

„Und dann habt ihr euch immer wieder getroffen? Wie alt warst du denn da?“

„Lass mich überlegen. Ich war zwar schon älter, aber noch keine Dreißig. Lotte etwas drüber. Eines Tages hat sie mir bei Wohlfromm, so hieß der Laden und heißt er auch noch heute, mein Lieblingsbonbon gekauft.“

„Ein Bonbon? Was denn?“

„Vielleicht waren es auch zwei oder drei. Das weiß ich nicht mehr so genau. Aber es waren Karamellklümpchen. Lotte hatte ganz genau zugehört, was ich ihr erzählt hatte. Und da wusste ich, sie ist genau die Richtige für mich.“

Mika stützt seinen Kopf in beide Hände, geht mit der Zunge über den Rest Kakaoschaum, den er auf einmal auf seinen Lippen spürt und sieht seinen Freund an. „Nur, weil sie dir die richtigen Bonbons gekauft hat? Ist ja cool! Und was mache ich, wenn mir niemals jemand Lakritzschnecken schenkt?“

 

FORTSETZUNG FOLGT

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